Haben uns die Reformatoren und deren Erben heute noch etwas zu sagen?

Über Deutschland

Die aktuelle kirchliche Situation in Deutschland
Die evangelischen Landkirchen haben besonders wenige aktive Mitglieder. Sie wurden 2010 von der katholischen Kirche (der nun größten Kirche in Deutschland) überholt, welche – trotz der Missbrauchsskandale – deutlich langsamer als die evangelische Kirche schrumpft. Einer aktuelle Schätzung zufolge gehören knapp 60% der Deutschen entweder der evangelischen Landeskirche oder der katholischen Kirche an. Die römisch-katholische Kirche verzeichnet 23,3 Millionen Mitglieder in Deutschland (Stand Ende 2017). Obwohl die evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD) immer noch 21,5 Millionen Mitglieder (Stand Ende 2017) in Deutschland haben, kehren jährlich rund 150.000 Mitglieder der Kirche den Rücken. Die hohen Sterberaten stehen im Gegensatz zu wenigen neuen Täuflingen. Bis zum Jahr 2030 rechnet die EKD sogar mit einem Rückgang der Mitgliederzahl von einem Drittel auf rund 16 Millionen. 
 
Ein noch weitaus beunruhigenders Ergebnis liefert diese Studie:  Von diesen Mitgliedern nahm nur eine verschwindende Minderheit an den Gottesdiensten teil. Im Jahr 2015 besuchten durchschnittlich nur 3,4% der Mitglieder einen sonntäglichen Gottesdienst in einer evangelischen Kirche. Das bedeutet, dass 96,6% der Mitglieder es nicht mehr für notwendig halten, einem Gottesdienst beizuwohnen. Diese "Ausfallrate" zeigt den großen geistigen Notstand, der in den Landkirchen besteht. Es scheint, dass selbst unter den Mitgliedern die Meinung vorherrscht, dass hier kein lebendiges Wasser zu finden sei, welches dem Alltag Kraft verleiht. Man kann folglich den Schluss ziehen, dass in Deutschland vermutlich nicht einmal 1 Million Menschen praktizierende Mitglieder der evangelischen Landkirche sind.
 
Organisatorisch gelingt es den an die EKD angeschlossenen Kirchen allerdings noch sehr gut, ihren Niedergang zu verschleiern, da die Kirchensteuer immer noch einen immensen Zufluss an finanziellen Mitteln garantiert , die den großen personellen Apparat der Kirche aufrecht erhalten können. Ohne dieses von der Regierung auferlegte Kirchensteuer-Pflichtsystem würden die Landeskirchen innerhalb kürzester Zeit finanziell nicht mehr kostendeckend und lebensfähig sein.

Eine Kurskorrektur der evangelischen Kirche zurück zu den Fundamenten des historischen Christentums, der schriftgebundenen Lehre der Reformation und einer konservativen Ethik ist nicht mehr zu erwarten. Innerhalb der  theologischen Fakultäten dominiert die historisch-kritische Bibelauslegung und die modernen Veränderer haben die Leitung der Kirchen fest in der Hand. Mit dem fortschreitenden Niedergang der EKD-Kirchen lässt sich beobachten, wie die Glaubensgrundlage immer mehr geschwächt und letztlich ins Gegenteil des biblischen Zeugnissses verändert wird . 

Neben den evangelischen Landkirchen exisitieren noch Freikirchen mit geschätzt einer Million Mitgliedern. Etwa der Hälfte von diesen würde man aber eine arminianische Prägung nachsagen. Nur eine Minderheit bekennt sich zu den klassisch reformierten Bekenntnissen